Vorwort In der Gatterstädter Geschichte wurde von der Bevölkerung mit großer Sicherheit schon immer Sport getrieben. So zeigt ein Foto aus den frühen Jahren des vorigen Jahrhunderts eine größere Gruppe Sportler eines Turn- und Radsportvereins vor der Gaststätte "Deutsches Haus" mit Vereinsfahne. Das Dilemma ist nur, dass die vorhandenen sportlichen Aktivitäten nicht oder nur ungenügend in der Dorfchronik, den Kirchenbuchern oder anderen Aufzeichnungen dokumentiert sind. Zeitzeugen sind größtenteils verstorben, selbst über die Zeit ab dem Jahre 1952 mit der Gründung der "BSG Traktor Gatterstädt" gibt es kaum schriftliche Be1ege. Diese Chronik kann deshalb keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben, das Engagement und die Arbeit unserer Vorfahren für den Sport nur in ungenügender Weise gewürdigt werden. Wir bitten deshalb um Hilfe bei der Vervollständigung dieses Dokumentes; jeder Hinweis, jedes Dokument, Episoden und Geschichten, Schrift- und Bildmaterial, alles ist van Interesse. Neben der weiteren Aufarbeitung der Geschichte des Gatterstädter Sports soll in Zukunft jährlich das sportliche Leben 1m Verein ausführlich dargestellt werden. Gleichzeitig mochten wir uns für Anregungen, Hinweise und Ratschlage, die in Zusammenhang mit der Entstehung dieser Chronik stehen, recht herzlich bedanken. Kegeln Der Kegelsport in Gatterstädt hat seinen Anfang mit dem Bau der alten Kegelbahn lange vor dem 1. Weltkrieg, erbaut durch die Gemeinde hinter dem Gasthaus "Zum weißen Roß". In der Dorfchronik wird berichtet, dass die Anlage in den frühen Jahren nur zur Unterhaltung genutzt wurde. Der Pächter des Dorfgasthofes, Friedrich Noth, nutzte die Bahn zum Wurstkegeln und anderen Sachen. In der Dorfchronik wird weiter beschrieben, wie im Jahre 1924 von Arbeitern ein Kegelklub mit dem Namen "Freie Bahn" gegründet wurde. Die Gründer waren unter anderem der Vorsitzende Friedrich Fleischauer, der Kassierer Adolf Graulich sowie der Schriftführer Edmund Teichmann. Die Mitgliederzahl erhöhte sich im Laufe der Zeit auf 25 Mann, 12 Aktive sowie 13 Passive. Wahrend des Bestehens dieses Vereins wurde der Asphalt der Kegelbahn frisch belegt, und zwar in so guter Qualität, dass dieser sich bis zum Abbruch der Kegelbahn 1984 in einem sehr guten Zustand befand. Mit dem Ausbruch des 2. Weltkrieges löste sich der Kegelklub auf, da alle Mitglieder eingezogen wurden. Da die Kegelbahn ungenutzt blieb, verfiel sie mit der Zeit. Nach dem 2. Weltkrieg sah die Kegelbahn katastrophal aus. Das Dach war vollständig abgedeckt, die Bahn war somit dem Wetter im vollen Umfang ausgesetzt. In diesem Zustand verblieb die Anlage bis 1956. Hier entschloss sich der Gemeinderat auf Anregung verschiedener Bürger, das Dach wieder decken zu lassen sowie die bis dahin offene Ostseite mit einer Mauer und drei großen Fenstern zu schließen. Die Kosten für die bereits erwähnten Maßnahmen sowie die Errichtung einer Trennwand mit Tür und der Beschaffung von Tischen, Stühlen, Schrank, Banken und einem Ofen beliefen sich auf 4.500,- Mark. Hierauf gründete sich im Jahre 1957 abermals ein Kegelverein, diesmal eingebettet in die "BSG Traktor Gatterstädt" und somit dem DTSB angeschlossen. Die Gründungsväter waren Fritz Fleischauer, Ludwig Schuh und Oskar Rohne. Die Kegelbahn und der Kegelsport wurden mehr und mehr zu einem Magnet für die Bevölkerung. So waren im Jahre 1970 je eine Männer-, Jugend- sowie eine Schülermannschaft aktiv. 1m Jahre 1973 wurden folgende Mannschaften gemeldet: Zwei Männerteams, eine Frauen- sowie zwei Schülermannschaften. Die Leistungsfähigkeit des Gatterstädter Kegelsports zeigte sich in der Erringung von Titeln bei Kreiseinzelmeisterschaften und der Kinder- und Jugendspartakiade sowie einem guten Abschneiden in den Punktkämpfen auf Kreisebene. Diese fanden nicht selten in unbeheizten Bahnen nach der Anfahrt mit Traktor und Hänger statt. Selbst Aufsteller mussten mithin gestellt werden, meist Kinder, die für ein paar Mark diese nicht ganz leichte und ungefährliche Arbeit verrichteten. Der Aufenthaltsraum wurde 1973 renoviert, das Dach für 300,- Mark frisch geteert und die Außenanlage hergerichtet.Vor der Kegelbahn wurden Blumenrondelle angelegt, dem Kegelbahnumfeld ein besseres Ambiente gegeben auch durch das Anlegen von Rasenflachen. Diese Maßnahmen begannen bereits 1969 und wurden in den folgenden Jahren fortgeführt. Besondere Erwähnung soll hier die sehr erfolgreiche Nachwuchsarbeit der Sportfreunde Fritz Fleischauer und Horst Schmidt bekommen. Indiz für die Leistungsfähigkeit der Gatterstädter Sportler ist ein Auszug aus der Rekordliste der Gatterstädter Bahn von 1972: | 5 Wurf in die Vollen | H. Noth | 41 Holz | | 5 Wurf in Abraum | E. Rolf | 35 Holz | | 10 Wurf in die Vollen | D. Meinicke | 76 Holz | | 10 Wurf in Abraum | E. Rolf | 53 Holz | | 25 Wurf in die Vollen | H. Wendler D. Meinicke | je 167 Holz | | 25 Wurf in Abraum | Ha. Wendler | 97 Holz | | 50 Wurf in die Vollen | H. Wendler | 322 Holz | | 50 Wurf in Abraum | E. Rolf | 177 Holz | | 100 Wurf Volle/Abraum | H. Schmidt | 463 Holz | Für Asphaltbahnen herausragende Ergebnisse, auch wenn man bedenkt, dass die Anlage aufgrund der zu kurzen und zu schmalen Abmessung nicht für Wettkampfe zugelassen wurde. Da halfen auch die vielen Freundschaftsvergleiche, so unter anderem im Juli 1973 in Muldenstein, und das gute Miteinander in der Mannschaft nicht: Das Fehlen einer eigenen Bahn, ständige Auswärtskämpfe und die fehlenden Trainingsmöglichkeiten leiteten unaufhaltsam den Zusammenbruch des Gatterstädter Kegelsports im Jahre 1976 ein. Die Gatterstädter Aktiven wurden mit Kusshand in Vereinen wie Alberstedt, Querfurt und Barnstädt aufgenommen. Die altehrwürdige Bahn wurde zum Freizeitkegeln, als Umkleidekabine für die Fußballer und als Aufenthaltsraum für Jugendliche benutzt um später bis zu ihrem Abriss mehr und mehr von Vandalismus heimgesucht zu werden. Der Kegelsport verfiel In unserem Ort in einen "Dornröschenschlaf", der erst Mitte der achtziger Jahre langsam verflog. Udo Wappler, damaliger für den Kegelsport engagierter BSG-Leiter, organisierte einen Kampf von Freizeitkeglern und Kegelanfängern auf der neu errichteten Bahn in Lodersleben und schon waren ein wenig Neid auf diese Anlage und ein gesunder Ehrgeiz geweckt. Und wofür Generationen gekämpft hatten, an was schon keiner mehr geglaubt hatte: Im Mai 1985 gab die Bürgermeisterin Frau Blenke "grünes Licht" für den Bau einer 2-Bahn-Anlage. Der Bau der Bahn ist als eine große Leistung einzuschätzen. Durch den in der DDR extremen Mangel an Baumaterial, aber auch für diese Zeit üblichen logistischen und organisatorischen Probleme dauerte die Errichtung des von Walter Zahn projektierten Gebäudes immerhin bis 1989. Die "Freiheit" (Halle) würdigte damals in einer ihrer Ausgaben : "Dass die Gatterstädter in diesem Jahr auf einer Anlage kegeln können, daran haben die beiden engagierten Rentner Kurt Ottilie und Joachim Heyde den Löwenanteil. Natürlich standen ihnen auch junge Leute zur Seite, und auch die ortsansässigen Handwerker packten mit zu." Aber ohne dem Kommunalvertrag mit den LPG Pflanzenproduktion sowie Tierproduktion Querfurt wäre dieses Projekt wohl noch viel schwieriger zu schultern gewesen. Stellvertretend für die geleistete Arbeit sollen hier Harald Rabes Harald Michaelis und Gunter Schwarz als Ansprechpartner und Helfer oft größter Not genannt werden. Eingeweiht wurde die Bahn am 1. Mai 1989 vom damaligen Burgermeister Roland Altzschner, den Erbauern sowie Sportfunktionären unseres Vereins wie auch des Kreises. Damit war der Startschuss gelegt für die Neugründung der Abteilung Kegeln der BSG Traktor Gatterstadt, nach der Wende umbenannt in Gatterstädter SV 52 e.V.. Als dann im Jahre 1990 der Umbau der Anlage auf automatische Aufstellung erfolgte, verdoppelte sich die Zahl der Gründungsmitglieder von 22 Personen, davon 2 Jugendliche und 8 Frauen, recht schnell. Seither ist ein stetiger Zulauf zu diesem schönen Sport zu verzeichnen. 2000 waren 58 Mitglieder gemeldet, davon 13 Frauen, 16 Männer, 20 Senioren und 9 Jugendliche. Mittlerweile sind je 2 Männer- als auch Frauenmannschaften und der Nachwuchs aktiv. Das sportliche Leben ist sehr reich an Ereignissen, neben den obligatorischen Punktkämpfen und Meisterschaften werden aber auch Partnerschaften mit befreundeten Sektionen gepflegt. So besteht als Beispiel seit 1995 eine sehr intensive Freundschaft mit Sportkameraden vom Kegel- Club Donau- Stauf aus Bayern. Die ständigen gegenseitigen Besuche fanden ihren bisherigen Höhepunkt im Besuch einer Delegation aus Bayern anlässlich des 50-jährigen Bestehens des Gatterstädter SV. Die Frauen nahmen u.a. an der größten Kegelparty Europas in Münster teil. Ein Höhepunkt im Vereinsleben des Damenteams war ebenfalls eine Busreise ins Salzkammergut nach Osterreich. Sehr beliebt bei den Kegelsportlern sind auch die alljährlichen Faschings- und Weihnachtsfeiern sowie die Aktivitäten zum 1. Mai und zum Heimatfest. Dass das Vereinsleben einen so guten Verlauf nimmt, ist auch der hervorragenden technischen und räumlichen Ausstattung unserer Sportanlage zu danken. Hier gilt ein besonderer Dank der Gemeinde Gatterstädt mit Bürgermeister Gerhard Stöhr und mit der Eingemeindung nach Querfurt vor allem der Stadt Querfurt mit Bürgermeister Peter Kuhnert. Die Praxis zeigt, dass soviel Engagement für Sportvereine gerade in der für die Kommunen höchst prekären finanziellen Situation höchst selten ist. So wurde bereits 1992 die automatische Aufstellung von der Firma Drews modernisiert, im Jahre 1997 erfolgte die notwendige Erneuerung des Anlaufs mit viel Eigeninitiative, 1998 wurde die Heizung von Kohle auf Öl umgerüstet. Mit der Übergabe am 27.01.2001 stehen neben den Keglern nun auch den Fußballern, der Gymnastikgruppe sowie Freizeitsportlern modernisierte und erweiterte Sanitär- und Umkleideräume zur Verfügung, von denen selbst größere Vereine nur träumen können. Mittlerweile sogar ist unsere Bahn auf Kunststoffplatten umgestellt, somit schon eine Attraktion. Immer mehr Freizeitsportler finden den Weg zum Kegeln, fast schon zum Leitwesen der sehr leistungsstarken und aufstiegsambitionierten 1. Männer- und Frauenmannschaft, die dadurch einige Einschränkungen im Trainingsbetrieb hinnehmen müssen. Für die Zukunft kann Sektionsleiterin Rosemarie Eisenschmidt dank auch der guten Nachwuchsbetreuung von Udo Brückner, Edgar Rolf, Werner Eisenschmidt oder auch Ingolf Siebler guten Mutes sein. Ein besonderes Lob verdient Werner Eisenschmidt für die sachkundige und aufopferungsvolle Pflege der Bahn. Er betreut die Bahn, in die folgende Werte in den letzten Jahren flossen: - 1998 Ölheizungsanlage 60.000,- DM - 2000 Sanitär- und Umkleideräume 180.000,- DM - 2001 Sanierung Bahnbelag und des Gebäudeteils 200.000,- DM Fußball Dass sich der Fußballsport nicht wie in anderen Orten des Kreises schon zu Beginn des vorigen Jahrhunderts entwickelt hat, lag ganz einfach am Fehlen eines geeigneten Sportplatzes. Zwar gab es hinter der alten Kegelbahn einen Kleinfeldplatz. Dieser konnte aber nicht für Wettkämpfe genutzt werden, zudem wurde er nach Überlieferungen oft von Schaustellern und sogar Reichswehr bzw. Wehrmacht genutzt. Im Jahre 1952 begannen unter der Regie der Herren Pawlicki, Kuppke und Bennemann die Bemühungen zum Aufbau des Fußballsportes in Gatterstädt. Die damalige Funktionärin Elly Franke betrieb die nicht ganz einfachen Verhandlungen zur Nutzung der Sportplatzfläche auf dem Land des Bauern Fischer. Noch im selben Jahr wurde der Sportplatz angelegt. In ausschließlich freiwilliger Arbeit wurde der Platz begradigt, Unmengen an Sand angefahren und verteilt sowie Gras gesät. Die Gesamtkosten betrugen nach Aussagen der Dorfchronik 1.850,- Mark. Der Kostenaufwand an Material betrug für Tore 200,- Mark, für Netze 300,- Mark, für Säulen 400,- Mark, Stangen 250,- Mark sowie für eingebrachte NAW-Stunden 700,-Mark. Absolut erstaunlich ist, dass der Spielbetrieb mit zwei Mannschaften aufgenommen werden konnte. Wenn die Erfolge in ersten Jahren auch bescheiden blieben, der Anfang war gemacht. Der Höhepunkt der ersten Fußballjahre war ohne Zweifel der Besuch des SC Hasselbach im Jahre 1954. Diese aus der Nähe von Schweinfurt in Bayern stammende Mannschaft weilte aus Anlass des Heimatfestes in unserer Gemeinde. Welche Probleme ein Besuch aus den westlichen Besatzungszonen schon zu dieser Zeit machte, zeigt die Tatsache, dass die Sportfreunde aus Bayern von der Grenze mit dem Bus abgeholt werden mussten. Vom DTSB wurde das Freundschaftsspiel zu einem Dreierturnier organisiert, um Osterhausen als spielstärkeren Gegner zu ermöglichen, die Hasselbacher zu besiegen. Was von den Funktionären nicht gewollt war: Osterhausen verlor hoch, höher als die BSG Traktor Gatterstädt. Legendär soll auch der Thekenvergleichskampf am Heimatfestabend gewesen sein, denn die Bayern trotz aller Bemühungen der für ihre Trinkfestigkeit auch heute noch berüchtigten und gefürchteten Gatterstädter Fußballer gewannen. Es ist eigentlich traurig, das solche freundschaftlichen Beziehungen aufgrund der politischen Umstände verloren gingen. in den folgenden Jahren nahmen die Fußballer am Spielbetrieb teil, ohne große Erfolge zu erzielen. Anfang der sechziger Jahre wurden die heute schon etwas aufgrund ihrer Höhe und Breite sowie des Laubanfalls problematischen Pappeln gepflanzt. Spötter sagten damals, um die Geruchsbelästigung des direkt westlich neben dem Platz gelegenen Schweineareals zu mindern. Glücklich waren die Spieler auch über die gute Pflege des Platzes durch die Schafe von Schäfermeister Göhre, eine Tradition, die auch durch andere Schäfer bis in die achtziger Jahre fortgeführt wurde. Probleme mit dem murmeligen, rutschigen Untergrund hatten die Gegner, mit den Flecken auf der Sportbekleidung die Spielerfrauen. Damals war es üblich, das jeder Sportler sein Trikot mit privat zu sich nahm. Der Spielbetrieb musste 1965 eingestellt werden. Viele Sportler waren beruflich mehr gefordert, manche bauten sich ein Eigenheim, andere begannen zu studieren und nicht zuletzt die Einführung der Wehrpflicht besiegelte für 's Erste das Ende das Gatterstädter Fußballs. Erst 1970, auch auf Drängen der DTSB - Oberen, die weiße Flecken auf der Sportlandkarte nicht gerne sahen, wurde vor allem durch die Sportfreunde und selbst aktiven Spieler Gerhard Mähne und Günter Helbig ein neues Team aufgebaut. Diese Mannschaft hatte in den ersten Jahren extreme Personalprobleme. Sich dieses Problems bewusst, begann Anfang der siebziger Jahre der Sportfreund Kurt Ottilie erfolgreich mit dem Aufbau von Jugendmannschaften. über Kooperationsverträge mit den Schulen in Gatterstädt und Lodersleben warb er Sportler und begeisterte sie für den Fußball. Unabhängig oder gemeinsam mit ihm betreuten die Sportfreunde Klaus- Dieter Becker, Udo Wappler., Karl Fischer, Günter Helbig oder Günter Gritzka, in den neunziger Jahren Steffen Groß und Uwe Reinboth Nachwuchsmannschaften. Das war der Garant für Erfolge, zuerst bescheiden bei Hallenturnieren im Schülerbereich, und später im Männerbereich. Diese ausgebildeten Spieler der fünfziger Jahrgänge erreichten ihren größten Erfolg 1976 mit dem Gewinn des Kreispokals nach einem 1:1, Verlängerung und Elfmeterschießen gegen den haushohen Favoriten Traktor Farnstädt. In diese Zeit fällt die Erneuerung der Fußballtore durch die Gemeinde mit einem Kostenaufwand von 1.000,- Mark. Umkleidemöglichkeiten im Hof der Gaststätte Ifftiger wurden, auch durch tatkräftige Unterstützung der Sportler selbst, durch die Gemeinde bereitgestellt. In die Ära dieser im wahrsten Sinne des Wortes duften Truppen, die jedes Spiele geschlossen im Anschluss in der Gaststätte Ifftiger auswertete, fallen auch viele Pokalsiege bei Sportfesten. Noch heute behaupten manche, dass diese Elf unter Alkohol ihre besten Spiele bestritten hat und, wären Spiele unter Alkohol möglich, mehrere Aufstiege möglich gewesen wären. Wenn diese Elf auch im Feiern zu den Eifrigsten in der Gatterstädter Fußballgeschichte zählte, für die Beitragszahlung war nie Geld parat. Eine auch heute anzutreffende Unsitte. Schmerzvoll dann: Erfolgreiche Truppen rücken ins Augenmerk größerer, höherklassiger Vereine, weckten die Begehrlichkeiten der Funktionäre z.B. aus Allstedt, Querfurt und Farnstädt. Spieler wurden massiv abgeworben, zudem rückte der gesamte Jahrgang 1956/57 geschlossen zur Armee ein, das beginnende Diskozeitalter tat sein übriges zum Zusammenbruch 1978. Diesmal dauerte es aber nur drei Jahre, bis der Fußball wiederbelebt wurde. Erst als zaghaftes Pflänzchen überaus erfolgreich als Volkssportmannschaft mit erdrückender Überlegenheit begann in erster Linie Uli Adam die Armeerückkehrer, ein paar Routiniers und hoffnungsvolle jüngere Sportler um sich zu scharen, um ab 1981 wieder den Punktspielbetrieb aufzunehmen. Durch die Unterstützung, heute würde man schon fast von beginnenden Sponsoring sprechen, speziell der LPG Tierproduktion in persona des Sportfreundes Harald Michaelis, wurde die Männermannschaft zu einem Spitzenteam mit Herbstmeistertitel und Titelambitionen. Einen Rückschlag erlitt diese Truppe erst durch das Abwerben der Spitzenspieler. Parallel zur ersten Mannschaft wurde durch den Sportfreund Ottilie die Nachwuchsarbeit angekurbelt. und diesmal mit richtig großem Erfolg: 1983 schafften die Schüler den Kreismeistertitel mit einem erwiesenermaßen "goldenen Jahrgang" und einigen Sportlern aus der Umgegend. Nach dem Hallenkreismeistertitel 1982/83 und der Teilnahme auf Hallenbezirksebene begann die Bewährung nach dem Aufstieg in die Bezirksklasse. Die Aufstiegsspiele wurden mit hohen Ergebnissen gegen starke Gegner wie Motor Halle und SG Eisdorf ohne Punktverlust souverän gewonnen, so dass man den folgenden Spielen gelassen entgegen sehen konnte. Nach dem 6:0 Spartakiadesieg am 7. Juni 1964 gegen Traktor Vitzenburg begann im September 1984 der Ernst, mit Paukenschlägen. Hier nur einige Ergebnisse: gg. Motor Artern 4:0, Stahl Merseburg 3:1, Motor Quedlinburg 5:0, Stahl Thale 2:2, Buna Schkopau 5:3, HFC Halle 2:5, Lok Köthen 4:1, Chemie Bad Dürrenberg 4:0, Aktivist Gräfenhainichen 2:1, Aktivist Hohenmölsen 3:1, Motor weißenfels 3:0, beim Rückspiel wurde dem HFC sogar ein 0:0 abgetrotzt. Am Ende des Spieljahres belegten die Jungens einen vorderen Mittelfeldplatz, nachdem sie bei den Pokalspielen auf Bezirksebene erst kurz vor dem Endspiel scheiterte. Diese Bezirksklassenmannschaft, die 1985 mit einem 6:0 Sieg über Traktor Obhausen erneut klar die Spartakiade für sich entschied, war ohne Zweifel die erfolgreichste Mannschaft des Gatterstädter Fußballs. Die finanziellen Aufwendungen, logistische Probleme und auch Nachwuchsprobleme beendeten die erfolgreiche Zeit der von Kurt Ottilie trainierten Mannschaft. Trotz aller Unterstützung durch den DTSB, wäre diese schlagkräftige Mannschaft in Querfurt angesiedelt gewesen, sie hätte wohl eine Zukunft gehabt. 1987 wurde eine zweite Mannschaft gegründet, um eine breitere Basis für die erste Vertretung zu schaffen. 1989/90 stieg die erste Mannschaft ab, so dass die zweite Mannschaft aufgelöst wurde. Ein Fakt, der ohnehin durch den durch die Wende bedingten Spielermangel unumgänglich gewesen wäre. Arbeitswechsel, berufsbedingte Umzüge in die westlichen Bundesländer und neue verlockende Freizeitangebote waren zu dieser Zeit ein extremes Problem. 1991/92 schaffte die erste Mannschaft den Wiederaufstieg und bewies auch in den folgenden Jahren unter den Betreuern Uli Adam, Dietmar Meinicke, Günter Helbig, Kurt Ottilie und Dorald Fischer gewachsene Leistungsstärke. Im selben Jahr wurde wiederum durch Detlef Zahn umgehend eine 2. Mannschaft gegründet. Das Spieljahr 1994/95 brachte den Zusammenschluss mit dem KFA Merseburg. Obwohl nur sechstletzter stieg die Mannschaft aufgrund des Abstieges höherer Mannschaften und zielgerichteter Ergebnisse einiger Merseburger Mannschaften untereinander unglücklich ab. Seitdem spielen beide Teams in den Staffeln der zweiten Kreisklasse, die Erste mit mehr oder weniger berechtigten Aufstiegschancen, die Zweite im Bemühen eines Qualitätszuwachses. Was Sportfreund Detlef Zahn in den zehn Jahren als Trainer der zweiten Mannschaft an Spielern "rekrutiert" hat, ist enorm. Mehr als 100 Spieler, vom Anfänger bis zum Klassefussballer, wurden von ihm betreut. Nicht wenige wurden in die erste Mannschaft übernommen. Als Sektionsleiter engagierte er sich für die Ausgestaltung des Sportplatzes: Werbeflächen, wie man sie in Stadien nicht findet, ein Flutlichtmast, Anzeigetafel, Fangnetze, Umzäunung, Auswechselkabinen u.v.m. sind seinem Ideenreichtum, Engagement und Organisationsvermögen zu verdanken. Nicht verschwiegen werden darf an dieser Stelle, dass der Gatterstädt Fußball seit der Jahrtausendwende ein Krise durchlebt. Nachwuchsmangel (das Modell, Nachwuchsspieler in andere Vereine zu delegieren, greift nicht, da diese fast alle dort auch weiterspielen), der Aufwand für eine Mannschaft für Fahrten in die "Oststaffel" der 2. Kreisklasse nach Merseburg aber speziell eine gewisse Uneinigkeit unter den Mannschaften, besser deren Verantwortlichen, lassen für die Fußballzukunft in unserem Ort nichts Gutes erahnen. Nur wenn der vorhandene Egoismus, die Eitelkeiten und eine gehörige Portion Kleingeist abgebaut werden, wird es auch in den kommenden Jahren in Gatterstädt noch organisierten Fußball geben. Einen herzlichen Dank an Uwe Zahn für die Chronik!
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